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Schlüchtern und die Barrierefreiheit

Wie barrierefrei ist Schlüchtern? Um dieses zu erkunden, haben Mitglieder von Bündnis90/die Grünen eine Rollstuhlfahrerin auf ihren notwendigen Einkaufswegen begleitet. Einige Geschäfte und Gastronomiebetriebe haben inzwischen Rampen für Rollstuhlfahrer, die sie flexibel einsetzen können. Leider gibt es diese Möglichkeit in vielen Geschäften nicht. Wir gehen bzw. fahren nun von der Obertorstraße zum Einkaufszentrum Herkules. An der Obertorstraße parken wieder Autos im Halteverbot, sodass keine Durchfahrt mit dem Rollstuhl möglich ist. Zwei Blumenkübel verengen den Bürgersteig so sehr, dass die Durchfahrt zur Millimeterarbeit wird. Der Weg durch die Krämerstraße endet an der Einmündung der Sackstraße, denn die Überquerung der Straße ist wegen der Höhe der Bordsteine nicht möglich. „Auch entlang der Gartenstraße kann ich den Bürgersteig nicht benutzen“, berichtet die Rollstuhlfahrerin, ,,alle Querstraßen im Einmündungsbereich zur Gartenstraße haben keine abgesenkten Bürgersteige. So bleibt mir nichts anderes übrig, als auf der Fahrbahn zu fahren.“ Nach diesen Anstrengungen wäre der Besuch des Freibades schön. Also machen wir uns auf den Weg, aber leider kommen wir nicht weit, Hindernisse all überall in Form von hohen Bürgersteigen: Ampelübergang Kreuzung Breitenbacherstr. – Lotichiusstr., Einmündung Königsbergerstr. in die Breitenbacherstr., Einmündung Haager Hohle in die Breitenbacherstr., Einmündung Am Schwimmbad in die Breitenbacherstr. Jetzt kommen wir an den Zebrastreifen über die Breitenbacherstr. in Höhe des Freibades. Hier wurde die Bordsteinkannte ersetzt, und man mag es nicht glauben, sie wurde nicht abgesenkt, sondern genauso hoch gebaut wie vorher. Offensichtlich hat keiner der Verantwortlichen darüber nachgedacht, dass diese Stelle im Bereich eines Zebrastreifens doch ihm Rahmen dieser Reparaturarbeiten abgesenkt werden kann. Sprachlosigkeit und berechtigtes Unverständnis bei den Betroffenen. „Das Freibad soll ja nun bald umgebaut werden, mit barrierefreien Zugängen,“ überlegt Gerd Neumann, Fraktionsvorsitzender der Grünen, „nur, wie sollen die Rollstuhlfahrer- und Fahrerinnen dahin gelangen?“

Doch nicht nur aus diesen Fahrten werden Wege mit unüberwindbaren Hindernissen. Beispiel Wahltag und die Rollstuhlfahrerin muss ins Feuerwehrgerätehaus, um dort ihre Stimme abzugeben. „Es war mir nicht möglich, in die Innenräume zu gelangen“, berichtet sie, „und auch nicht möglich, in einem anderen Wahllokal meine Stimme abzugeben.“ Gut, mancher sagt jetzt, sie kann doch eine Briefwahl beantragen. Aber es ist trotzdem traurig, dass ihr das übliche Prozedere verwehrt wird.

Auch der Besuch einer Trauerzeremonie in der Schlüchterner Friedhofskapelle gestaltet sich als sehr problematisch. Unsere Rollstuhlfahrerin berichtet: „…ich konnte nicht selbstständig eine Rampe hinauffahren oder vielleicht geschoben werden. Ich musste die Treppe hinaufgetragen werden, was für die Träger nicht einfach war, da sie nicht wussten, wie man den Rollstuhl am besten anpackt. Ich empfand diese Prozedur als menschenunwürdig.“ Da stellt sich die Frage: findet Schlüchtern keine menschenwürdigen Lösungen, die die Selbstständigkeit von RollstuhlfahrerInnen unterstützen?

„Wir Grünen stellen in der nächsten Stadtverordnetenversammlung den Antrag, die Barrierefreiheit Schlüchterns zu überprüfen“, so Günther Koch, Vorsitzender des OV Bündnis90/die Grünen, „ bei allen Instandsetzungsarbeiten an Bürgersteigen muss die Barrierefreiheit berücksichtigt werden, und alle o.g. genannten Stellen müssen zeitnah umgebaut werden.“

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